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Aktionstage enough. 2022

Ist die Zeit der grossen Abschaffung gekommen?

Vom 14. bis zum 18. September fanden in Zürich zum dritten Mal die Aktionstage enough. statt. Wir sind dankbar und stolz, dass wir das dritte Jahr in Folge Menschen zusammenbrachten und gemeinsam über aktuelle und vergangene Kämpfe diskutierten und hoffentlich zukünftige skizzierten. Wie in den letzten Jahren fanden im Organisationsprozess der Aktionstage Menschen zusammen, die sich im Vorhinein nicht kannten, um eine Diskussion rund um Rassismus und Migration zu führen und dadurch von- und miteinander zu lernen. Unsere Ansprüche und Wünsche haben sich weiterentwickelt, doch unser Hauptanliegen, verschiedene Alltagskämpfe, die Menschen, die sie führen und ihre Herangehensweisen sichtbar zu machen, bleibt. 

Aus der Reflexion der letzten Jahre entstand das Bedürfnis nach einem expliziten thematischen Fokus für die diesjährige Ausgabe. Nach langen Gesprächen gelangten wir zum Thema: Abschaffen und Aufbauen – Aktionstage zu abolitionistischer Praxis. Wir setzten uns an den Aktionstagen intensiv mit der Frage auseinander, wie wir die bestehenden Verhältnisse abschaffen und bestärkende, neue Verhältnisse aufbauen können. 


Doch was heisst Abolitionismus überhaupt? Loick/Thompson fassen den Begriff in ihrem gleichnamigen Sammelband folgendermassen zusammen: “„Abolitionismus“ bezeichnet sowohl einen theoretischen Ansatz als auch eine politische und soziale Bewegung, die sich für die Überwindung staatlicher Gewaltinstitutionen wie Gefängnis und Polizei einsetzt.“

Im Prozess der Organisation der Aktionstage wurde uns bewusst, wie viele unserer politischen und sozialen Kämpfe der Begriff einschliesst. Ist der Abolitionismus also nur ein Begriff, unter dem sich Kämpfe verbinden lassen? Sicherlich nicht, der Abolitionismus hat eine lange Geschichte, die auf die Kämpfe für die Abschaffung der Sklaverei zurückreicht und sich seit damals auf die Abschaffung von Polizei, Gefängnis, Grenzen, Staat und vielem mehr fokussiert hat. 


Abschaffen und Aufbauen – die Zusammenführung dieser zwei gegensätzlichen Prinzipien im Abolitionismus steht für eine Art der Politik, die sich von unterdrückerischen, diskriminierenden Realitäten befreien und gleichzeitig gerechtere und selbstbestimmte Alternativen aufbauen will. In unserem Selbstverständnis als Kollektiv sehen wir die Überwindung, die Abschaffung von bestimmten Systemen, Regimen und Policies als notwendig. Wir glauben nicht an die Reformation der Polizei und des Gefängnis, sondern sind davon überzeugt, dass wir ein neues System der Gerechtigkeit von unten aufbauen müssen. Wir wollen die Grenzpolitik nicht neu verhandeln und eine “humanere” Grenzpolizei Frontex im Parlament erstreiten. Wir wollen Bewegungsfreiheit für alle und eine solidarische Gesellschaft, die das ermöglicht. Die Abschaffung von bestehenden Verhältnissen heisst aber auch, dass Alternativen geschaffen werden müssen. Diese Errichtung von neuen Realitäten ist das zweite Kernelement des Abolitionismus. Dieser Aufbau ist ein gesellschaftlicher Prozess von unten, eine  Bewegung, in der sich eine solidarische Masse vereint, um gemeinsam eine Zukunft zu schaffen. Und von diesem Prozess wollen wir Teil sein. 


Weitere Infos zum Programm, Radionaufnahmen und unserem Kollektiv findet ihr auf www.aktionstage-enough.ch

Autor:innen: enough. Kollektiv